Ortsgeschichte

Bewohnerliste Obereidisch

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Obereidisch in der Geschichte

Ursprünglich lag Obereidisch auf einem freien Königsboden. Die vom ungarischen König in den Jahren 1100 – 1150 nach Siebenbürgen gerufenen Kolonisten unterstanden nur dem König. Sie waren Gäste zum Schutz der Krone in Siebenbürgen. Heute könnte man sie als neuzeitliche Entwicklungshelfer bezeichnen.

1319 ist die erste urkundliche Nennung des Dorfes nach dem Tod des Dionisius III und der Aufteilung des Reener Landes auf seine 3 Söhne. Obereidisch erhält der Sohn Stefan. 1335 wird Obereidisch urkundlich in einer päpstlichen Steuerliste erwähnt, die an das Reener Dekanat gerichtet war. Die nächste schriftlicheUrkunde über Obereidisch erwähnt den Ort 1855/1861, als in Siebenbürgen eine neue Verfassung der evangelischen Landeskirche A.B.(Augsburger Bekenntnis) eingeführt wurde.

In der Zwischenzeit hat sich die Gemeinde stark entwickelt. Im 15. Jahrhundert entstand eine kleine gotische Saalkirche. Diese wurde dann 1761 abgetragen und neu gebaut, wobei sie das heutige Aussehen erhielt. Sie ist eine einfache Saalkirche mit flacher, leicht abgerundeter Holzdecke. Vor dem Südeingang steht eine Vorhalle. Das Westportal ist mit einem Spitzbogen versehen. Zwischen dem Chor und dem Schiff wurde ein breiter Triumphbogen installiert. An der West- und an der Nordseite des Schiffes stehen die Holzemporen auf denen die Jugendlichen dem Gottesdienst beiwohnten. 1930 wird die Kirche neue eingedeckt. Der Glockenturm steht etwa 20 m östlich der Kirche und wurde 1842/1843 erbaut. Am 26.11. 1893 wird eine gebrauchte Kirchturmuhr gekauft. Am 10.03.1894 wird sie aufgestellt und am 12.04.1894 erfolgt der erste Stundenschlag. Kurz darauf, 1869, erfolgt die Fertigstellung des neuen Schulgebäudes neben der Kirche, das heute noch steht. Bei unserem Besuch in 2005 fanden wir die Tafel noch an der selben Stelle, an der sie 1938 aufgehängt wurde. 1924 bechließt die Gemeinde den Bau eines Gemeindesaales, der sich nördlich des Kirchturmes befindet. 1941-1943 wird ein eigener Kindergarten errichtet. Hier wurde 143 Kinder an 5 Werktagen ein warmes Mittagessen ausgegeben. Dann begannen die Wirren des Krieges.

Die Evakuierung beginnt am 07.09.1944. Die alten und kranken Menschen werden per Zug aus Obereidisch abtransportiert. Am 11. Sept. 1944, um 6 Uhr abends setzt sich die Kolonne der Flüchtlinge in Bewegung. Die Glocke „Susanna“ läutet zum Abschied das letzte Mal für sie. Ungefähr
900 Einwohner bewegen sich in Richtung Österreich und die angrenzenden Staaten. Teilweise bleiben sie oder emigrieren nach Übersee.

Seit dieser Zeit hat sich an den kirchlichen und sozialen Einrichtungen, die noch aus der Kriegszeit stammen, nicht viel geändert. Die Kirche wurde in den Tagen der Vertreibung geplündert. Die Orgel, das Kirchengestühl und der Boden wurden herausgerissen und verwüstet. Die Kirche fand zeitweise als Lagerhaus Verwendung. Heute noch sind die Spuren des Krieges, die Einschüsse am Kirchturm und an den anderen Gebäuden zusehen.